Rautenmuster bayern

Die Niederbayern herrschen zu dem Zeitpunkt über das gesamte Gebiet zwischen Regensburg und Passau. Die Post geht nämlich an der Donau ab: “Sie müssen sich das vorstellen wie eine sechspurige Autobahn – und zwar die einzige weit und breit”, sagt Loibl. Der Fluss ist die wichtigste Verkehrsschlagader Zentraleuropas. Straßen gibt es keine oder nur schlechte. Und der Gäuboden ist eine der fruchtbarsten Anbauflächen. “Dementsprechend reich sind die Grafen von Bogen. Die haben die Wittelsbacher eher ausgelacht.” “Durch die Hochzeit sitzen die Wittelsbacher jetzt brettl- breit in Niederbayern drin”, sagt Loibl. “Vorher haben sie nichts gehabt – und jetzt fließen ihnen alle Einkünfte des getreidereichen Gäubodens zu.” Weil Ludmillas Söhne aus erster Ehe noch unmündig sind, kontrolliert Ludwig das gesamte Gebiet. “Auffällig ist, dass später alle drei Söhne rasch hintereinander sterben”, so Loibl. Weil sie noch keine Nachfahren haben, erlischt damit 1242 das Geschlecht der Bogener. “Man liest ja immer, dass sämtliche Adelsgeschlechter aussterben zu der Zeit. Insofern könnte man die vielleicht nicht unbegründete Vermutung anstellen, dass bei dem ein oder anderen etwas nachgeholfen wurde.” Ausgedacht haben sich die Rauten aber keine Marketing-Experten; nein, der Ursprung liegt lang zurück und mitten in Niederbayern – rund 170 Kilometer von München entfernt: in Bogen bei Straubing.

Sechs Jahre später dann kommen die Wittelsbacher ins Spiel: Herzog Otto von Wittelsbach ist schon lange tot, es regiert sein Sohn Ludwig I., später Ludwig der Kelheimer genannt. “Ein gewiefter, rücksichtsloser Territorialpolitiker”, sagt Loibl. Die Liste der vom Herzog Gemeuchelten ist lang. Die seiner Feinde ebenfalls. Ludwig I. will Macht und weiß: Der Schlüssel zu Niederbayern liegt in einer Hochzeit mit Ludmilla. “Sie müssen wissen, zu der Zeit ist Oberbayern das arme, gebirgige Land”, sagt Loibl. “Da will keiner hin, da zerbröselt dir der Ackerboden quasi zwischen den Fingern.” Ludwig hält also um Ludmillas Hand an. Und die sagt Ja.

Aus Sicht der reichen Bogener war ein Herzog wohl die beste Partie. Die Grafen von Bogen waren im Hochmittelalter ein einflussreiches Adelsgeschlecht in Niederbayern. An Macht überboten sie die Familie der Wittelsbacher, die als Herzöge von Bayern den höheren Rang hatten. Graf Albert III. von Bogen war verheiratet mit Prinzessin Ludmilla von Böhmen, das Paar hatte drei Söhne. Doch der Graf verstarb jung und hinterließ seine Ländereien seiner Witwe und den noch unmündigen Kindern. Herzog Ludwig I. von Bayern hielt um die Hand der reichen Witwe an. Ludmilla traute dem Herzog nicht, so erzählt es die Legende, und ließ ihn ein Ehegelöbnis ablegen, vor einem Vorhang, der drei Ritter zeigte.

Als der Herzog, der sich mit seiner Angebeteten alleine wähnte, dieses Gelöbnis ablegte, traten hinter dem Vorhang drei leibhaftige Ritter hervor, die Zeuge geworden waren. Nun war der Herzog an sein Gelöbnis gebunden. 1204 fand die Eheschließung zwischen dem Bayernherzog und der böhmischen Prinzessin statt. Als Jahre später Ludmillas Söhne aus erster Ehe ohne Nachkommen gestorben waren beerbten die Wittelsbacher die Grafen von Bogen. Mit den großen Ländereien erhielt Herzog Otto II., der Sohn von Ludwig I. und Ludmilla, auch deren Wappen, die weiß-blauen Rauten.

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